Weinwissen
Orange Wein: Was ist das?
Orange Wein ist Weißwein, der wie ein Rotwein entsteht. Die weißen Trauben gären zusammen mit ihren Schalen. So bekommt der Wein seine Bernsteinfarbe, mehr Aroma und Grip. Ich mache selbst Orange Wein an der Mosel und nehme dich hier mit in meinen Keller.
So entsteht Orange Wein
Für einen klassischen Weißwein werden die Trauben gleich nach der Lese gepresst, und nur der Saft gärt. Beim Orange Wein bleiben die Schalen dabei. Sie geben Farbe, Aromen und Gerbstoffe an den Wein ab. Gerbstoff heißt auch Tannin: Das ist das, was sich im Mund leicht pelzig anfühlt.
Je länger alles zusammen gärt, desto kräftiger wird der Wein. Die Machart ist uralt. In Georgien keltern Winzer ihren Wein seit Jahrtausenden so, in großen Tonamphoren im Boden.
Warum ich einen Orange Wein machen wollte
Viele Orange Weine, die ich probiert habe, waren mir zu laut. Aromasorten wie Muskateller oder Gewürztraminer ergeben sehr einnehmende Weine. Und wer weiße Trauben ganz wie Rotwein ausbaut, bekommt schnell sehr viel Tannin. Ich wollte einen Orange Wein mit Grip und mit Trinkfreude, einen, der leicht über die Zunge geht.
2021 habe ich das mit Müller-Thurgau gemacht, einer total unterschätzten Rebsorte. Zuletzt, 2023, mit Pinot Blanc.
Oft werde ich gefragt, warum ich keinen Riesling nehme. Riesling ist für mich der König der Rebsorten. Als Orange Wein spielt er seine Stärken aber weniger aus, finde ich. Einen richtig guten Riesling Orange habe ich bisher erst einmal getrunken, und der war von Florian Wecker.
So mache ich meinen Orange Wein
Mein Weg zu Grip mit Trinkfreude heißt: Vorsicht, Ruhe und wenig Eingriff.
- Entrappen. Ich trenne die Beeren von den Stielen.
- Spontan vergären. Die Gärung startet mit den Hefen, die von selbst da sind. Während die Hefe den Zucker in Alkohol umwandelt, entstehen Wärme und CO2.
- Den Hut unterdrücken. Das CO2 treibt die Schalen nach oben, dort bilden sie einen Hut. Damit sie weiter Geschmack abgeben, gehören sie zurück in den Most. Dafür gibt es zwei Wege: Bei der Remontage pumpt man den Most über den Hut. Bei der Pigeage drückt man ihn unter. Ich mache Pigeage, dreimal am Tag mit den Händen, behutsam, aber bestimmt.
- Abdecken. Danach mache ich den Rand sauber und spanne eine Folie fest darüber. Mit der Zeit wölbt sie sich auf wie ein Pilz. Genau das will ich: CO2 ist schwerer als Sauerstoff und legt sich wie eine Decke auf den Most. So bleibt er vor Luft geschützt, aus der sonst Fehlaromen wie ein Klebstoff- oder Lösungsmittelton entstehen.
- Sanft pressen. Nach zehn Tagen presse ich ab, mit einer einzigen Pressung und höchstens 0,8 bar.
- Ruhen lassen. Dann kommt der Wein ins alte Holzfass. Dort gärt er zu Ende und bleibt in der Regel neun bis zehn Monate.
- Füllen. Unfiltriert und mit rund 15 mg Schwefel pro Liter vor der Füllung.
Mein Orange Wein braucht viel Aufmerksamkeit. Dafür zeigt er dir im Glas alles, was ich in ihn hineingesteckt habe. Ist es mir gelungen? Ja. Grip und Trinkfreude spielen zusammen, und ich trinke meine Orange Weine selbst richtig gern.
Auf der Schale, nur anders: mein SGCB 5
Beim SGCB 5 arbeiten die Schalen auch mit, nur auf eine andere Art: Macération carbonique. Dafür kommen ganze Trauben in einen Behälter, den ich mit Kohlensäure fülle. Die Gärung beginnt dann im Inneren der Beeren. Nach etwa fünf Tagen fangen die Trauben an zu bizzeln, wenn ich sie probiere. An diesem Tag presse ich.
Für SGCB 5 sind das Souvignier Gris und Calardis Blanc aus Rheinhessen, und die 5 im Namen steht genau für diese fünf Tage.
Wie schmeckt Orange Wein?
Er liegt zwischen Weiß und Rot: frisch wie ein Weißwein, mit dem Grip eines Roten. Oft erinnert er an getrocknete Früchte und Kräuter. Mein Orange Space duftet nach getrockneter Orangenschale und Kräutern, dazu kommt eine mineralische Linie vom Schiefer.
Wozu passt Orange Wein?
Mit seinem Grip begleitet er kräftige Gemüseküche richtig gut. Ideen für deinen nächsten Kochabend:
- gerösteter Blumenkohl mit Tahini
- Gemüse aus dem Ofen
- Fermentiertes
Schenk ihn bei 9 bis 12 Grad ein, also etwas wärmer als die meisten Weißweine.
Häufige Fragen
Ist Orange Wein aus Orangen?
Er ist aus weißen Trauben. Seinen Namen hat er von der Farbe, und die kommt von den Traubenschalen.
Ist Orange Wein ein Naturwein?
„Orange“ beschreibt die Machart, also das Gären auf den Schalen. Viele Winzer machen ihn mit wenig Eingriff. Meiner gärt spontan und kommt unfiltriert in die Flasche.
Was bedeutet Grip beim Wein?
Grip ist das leichte Haften am Gaumen. Es kommt von den Gerbstoffen aus den Schalen.
Welche Rebsorte passt zu Orange Wein?
Ich mag Sorten, die leise anfangen und auf der Maische aufblühen: Müller-Thurgau und Pinot Blanc. Aromasorten wie Muskateller werden schnell sehr intensiv.
Wie kalt serviere ich Orange Wein?
Meinen Orange Space am besten bei 9 bis 12 Grad.
Wo kann ich Orange Wein kaufen?
Meinen Orange Space bekommst du direkt bei mir im Shop. Schreib mir gern, wenn du ihn mit anderen Weinen in einer Kiste kombinieren möchtest.
Über mich: Ich bin Jan-Philipp Bleeke, Winzer ohne Weingut. Meinen ersten eigenen Jahrgang habe ich 2017 gemacht, seit 2019 mache ich Low-Intervention-Weine aus Trauben von der Mosel und aus Rheinhessen, inzwischen getrunken in 13 Ländern.