Die Weinprojekte

Projekt 23/7 – Wie geduldig kann man sein?

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Fangen wir bei den Wurzeln an, bei demjenigen, der mich in meinem Winzerdasein maßgeblich beeinflusst hat: Mein Kellermeister Edgar Schneider. Edgar ist speziell, aber in einem sehr gut gemeinten Sinne. Die schönste Eigenschaft an ihm ist, dass er Menschen so akzeptiert, wie sie sind und unterstützt. Edgar und ich teilen viele Ansichten hinsichtlich Wein und Umwelt. So halten wir beide die Natur für etwas hoch Komplexes, das nicht bezwingbar ist. Wir müssen also mit dem arbeiten, was wir haben. Genau das brachte mich zu meinem ersten Wein: Einen 2015 Riesling Spätlese trocken aus dem kleinen Örtchen Burg an der Mosel.

Wir Deutsche – im Generellen die „Westliche Welt“ – versuchen heutzutage viele Dinge runter zu brechen, zu vereinfachen und mit Technik zu lösen. So kann man heute beispielsweise einen einfachen Wein innerhalb weniger Wochen produzieren und das sogar so, dass er ganz passabel schmeckt (allerdings nur vordergründig). Lass uns jedoch einmal 120 Jahre zurückschauen. Wusstest du, dass es früher bis zu 2 Jahre gedauert hat, einen trockenen Riesling herzustellen? Wie denkst du darüber, wenn ich dir bei einem Riesling etwas von Tanninen erzähle? Oder davon, dass ein gereifter „älterer“ Riesling einfach THE SHIT ist? Und Ja, all das ist wahr.

Durch diverse Fortbildungen während meiner Zeit in Jacques‘ Wein Depot in Sieker kam ich in den Genuss, ältere Jahrgänge von der Mosel zu verkosten. Diese Rieslinge haben mich einfach umgehauen und ich habe mich in die feinen, sehr balancierten und ziselierten Weine verliebt. Als ich Edgar in den ersten Wochen meiner Ausbildung davon erzählte, gab er mir einen weiteren Wein zu probieren, der an Komplexität kaum übertroffen werden konnte. Bis heute fällt es mir schwer, alle Sinneseindrücke zu beschreiben. Fest stand jedenfalls: Dieser Wein braucht Zeit. Ich war euphorisch und fragte Edgar, ob ich den weiteren Verlauf des Weines begleiten darf und ihm nachher etwas davon abkaufen könnte. Er stimmte zu, und so kam ich in den Besitz meines ersten Mostes.

Jeden weiteren Schritt habe ich alleine, wenn auch unter Beobachtung, durchgeführt und den Wein im Abstand von je ca. 10 Tagen probiert. Eine Geduldsprobe, jedes Mal wieder und wieder. Bis zum September 2017. Dann wurde der Wein endlich auf die Flasche gebracht. Ganze 23 Monate hat der Wein auf der Hefe verbracht und ist nun weitere 7 Monate in der Flasche gereift. Einfach unfassbar. Daher auch der Name 23/7! Hier kannst du den Wein bestellen.

 

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