Die Weinprojekte

Projekt 1. Weinberg – Der Energiezehrer und Spaßmacher

Wer schon einmal einen Riesling Kabinett feinherb von der Mosel probiert hat, weiß – DAS ZEUG IST GEIL! Für mich ist ein spontan vergorener, feinherber Riesling das Markenzeichen der Mosel. Von Anfang an stand also fest, dass ich sowas auch machen will. Einmal, um die Erfahrung der Weinbergführung zu sammeln und andererseits natürlich auch die Erfahrung der eigenen Weinherstellung 😉.

So hörte ich mich um, ob jemand einen Wingert abzugeben habe oder mir für ein Jahr verpachten würde. Es dauerte nicht lange, da kam mein Arbeitskollege Frank Weber aus Kröv auf mich zu und machte mir das Angebot, einen 1800m² großen Wingert (Weingarten) für das Jahr 2017 zu bewirtschaften. Ich schaute mir das gute Stück in der Kröver Letterlay an und sagte prompt zu! Es handelte sich um eine Einzelstockerziehung, die traditionelle Reberziehung, wie sie schon seit Jahrhunderten praktiziert wird – demnach kein Einsatz von Maschinen; und viele, viele Laubarbeiten.

Bei der Bewirtschaftung war mir der biologische Aspekt sehr wichtig. Das heißt: kein Einsatz von Herbiziden oder Pestiziden. Zudem habe ich auf den biologischen Pflanzenschutz gesetzt. Der Weinberg ist nach den Vorgaben EU-Öko-Verordnung 2017 bearbeitet worden, allerdings gibt es kein Zertifikat. Eine spontane, artenreiche Vegetation hat vielen nützlichen Insekten ein Zuhause in meinem Weinberg geboten, sodass ich mich während der Arbeiten an den herrlichen Wildkräutern und Blumen erfreuen konnte. Der Rebschnitt verlief gut und Ende Februar waren danke Hilfe von Victor, Mats und Martin die Reben gebunden.

Leider gab es im April einen späten Frost, der ca. 40% meiner Triebe vernichtet hat. Ärgerlich, aber das Arbeiten mit der Natur hat seine Tücken. Das Aufbinden der Triebe hat mich viel Zeit gekostet, plus der wöchentliche Pflanzenschutz machten aus mir einen fitten Winzer – die Steillage immer wieder hoch und runter zu laufen macht müde Beine munter. Oder auch nur müde. Gezielte Laubarbeiten und weiteres Aufbinden brachten die wohl beste Qualität zum Vorschein, die der Wingert je gesehen hat. Alles, was die Qualität der Trauben verbessern konnte, wurde getan.

Dann kam der 15.10.2017 – Tag der Lese. Ein wunderschöner Tag im goldenen Herbst. Meine Familie, Freunde und eine Handvoll fleißiger Erntehelfer unterstützten mich bei der selektiven Handlese und derart waren die Trauben nach wenigen Stunden bereit zum Keltern. Bereits im Wingert haben wir die Trauben mit den Füßen gestampft. Gepresst wurden die Trauben daraufhin mit Rappen in einer modernen Tankpresse, die schonend per Gravitation beladen wurde. Gepresst wurde lange und mit wenig Druck für ca. 12 Stunden. Im Anschluss ging es wieder per Schwerkraft in den Keller, wo der Wein sich setzten konnte.

Die Sedimente wurden mithilfe einer Pumpe entfernt, danach war der Wein bereit, mit der Gärung zu beginnen. Ich habe auf eine Spontanvergärung gesetzt, die ganz von alleine beginnt und aus wilden Hefen der Umgebung erwächst. Das Resultat kann sich sehen lassen: Das gute Tröpfchen hat dank Oenococcus Oeni einen biologischen Säureabbau (BSA) durchgeführt und die spitze Äpfelsäure in weichere Milchsäure umgewandelt. Das macht den Wein verträglich und gibt ihm einen besonderen Schmelz. Das Ergebnis ist ein Riesling Kabinett Feinherb!

Bei der ganzen Beschreibung werde ich ganz durstig. Zeit hier den Wein zu bestellen.

 

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